Natürlich ist nicht automatisch gesund – Warum bei Krebs nicht alles erlaubt ist
- Yvonne Prokoph
- 4. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Krebs. Ein Wort, das Angst macht. Und verständlicherweise entsteht aus dieser Angst oft ein tiefer Wunsch, alles zu tun, um sich oder einen geliebten Menschen zu stärken. Die Schulmedizin allein fühlt sich oft nicht ausreichend an – und so greifen viele zusätzlich zu naturheilkundlichen Mitteln, Vitalstoffen und Superfoods. Was soll daran falsch sein? Es ist ja alles "natürlich". Oder?
Hier liegt eine der größten Gefahren in der komplementären Krebsbegleitung:
Unwissenheit gepaart mit gutem Willen.
"Stärkt das Immunsystem" – aber auf wessen Seite?

Viele Produkte auf dem Markt werben damit, das Immunsystem zu stärken. Doch kaum jemand fragt: Was bedeutet das eigentlich konkret? Denn das Immunsystem ist kein Muskel, den man einfach trainiert – es ist ein extrem komplexes, fein abgestimmtes Netzwerk. Bei bestimmten Krebsarten (z. B. hormonabhängigem Brustkrebs oder bestimmten Leukämien) kann eine unspezifische Immunstimulation sogar kontraproduktiv sein.
Manche Tumore nutzen eine chronische Entzündungsumgebung, um zu wachsen. Wird das Immunsystem blind stimuliert – etwa durch Substanzen wie Shilajit oder Ashwagandha – kann dies dem Tumor in die Hände spielen.
Antioxidantien – Schutz oder Sabotage?
Auch Antioxidantien gelten oft als Wundermittel – sie sollen vor Zellschäden schützen und das Altern verlangsamen. Aber genau hier liegt die Falle: Krebszellen sind keine gesunden Zellen. Sie sollen zerstört werden.
Viele Chemotherapien und auch die Strahlentherapie beruhen darauf, oxidativen Stress gezielt auszulösen – damit die Krebszelle stirbt. Wer nun hochdosiert Antioxidantien nimmt (z. B. Vitamin C, OPC, Glutathion), kann diesen Mechanismus abschwächen – und die Wirkung der Therapie sabotieren.
Das heißt nicht, dass Antioxidantien grundsätzlich verboten sind. Aber: Sie sollten gezielt, individuell und mit medizinischer Begleitung eingesetzt werden.
Phytohormone und Adaptogene – gefährlich bei hormonabhängigem Krebs
Ein besonders heikles Thema ist der Einsatz von adaptogenen Pflanzen wie Maca, Ashwagandha, Ginseng oder hormonähnlichen Pflanzenstoffen (z. B. Soja-Isoflavone, Leinsamen, Rotklee) bei hormonabhängigen Krebsarten.

Diese Substanzen wirken auf das endokrine System, selbst wenn sie „nur“ pflanzlich sind. Gerade bei östrogensensitiven Tumoren kann das ein Spiel mit dem Feuer sein.
Was also tun?
Die wichtigste Regel in der ganzheitlichen Krebsbegleitung lautet:
Nicht alles, was gesund ist, ist bei Krebs auch erlaubt.
Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden begleitest:
Finger weg von „Alleskönnern“ mit vollmundigen Heilsversprechen.
Hinterfrage jede Substanz, auch wenn sie in der Naturheilkunde beliebt ist.
Hol dir Rat von jemandem, der sowohl die Sprache der Schulmedizin als auch die der Naturheilkunde spricht.
Meine Haltung als ganzheitliche Gesundheitspraktikerin
Ich liebe die Naturheilkunde. Ich arbeite selbst mit Hypnose, Ohrakupunktur und Vitalstoffen – aber niemals blind. In meiner Begleitung berücksichtige ich Krankheitsbild, Therapieplan, Blutwerte, Psyche und Konstitution. Ich denke ganzheitlich, aber ich denke auch verantwortungsvoll.
Es gibt viele wunderbare Mittel aus der Natur, die helfen können – aber nur, wenn sie richtig ausgewählt und eingesetzt werden.
Blinder Aktionismus hilft niemandem. Aber gut informierte Entscheidungen können einen echten Unterschied machen.
Wenn du dir unsicher bist, was in deiner Situation sinnvoll ist, melde dich gern. Ich helfe dir, Klarheit zu gewinnen.
Denn Krebs verlangt keine Panik – sondern kluge, informierte Schritte.
Alles Liebe,
Yvonne



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